Markt Grafengehaig

Markt Grafengehaig – Aktuelles

Beim Gruppenworkshop „Die Schmiede“ kommt der Nachwuchs zu Wort.

Moderatorin Hella Vogel-Ebert (zweite von rechts) interviewt (von links) Sabine Knobloch, Jürgen Ziegler und die Bürgermeister Franz Uome und Werner Burger.

Was fehlt den Jugendlichen in den Oberlandgemeinden Marktleugast und Grafengehaig, das wollen die Jugendbeauftragten Irina Klier, Michael Schramm (beide Marktleugast) und Manuel Nahr (Grafengehaig) von den jungen Männern und Frauen ihrer beiden Gemeinden wissen. Persönlich haben sie dazu genau 222 Einladungen verteilt und sie haben die Jugendlichen am Freitagabend beim Gruppenworkshop "Die Schmiede" persönlich im Foyer der Marktleugaster Schule empfangen.

Leider waren nur etwa 40 junge Mitbürger gekommen, in der Hauptsache junge Frauen. "Wer heute da ist, der hat verstanden um was es geht", lobte die Moderatorin Hella Vogel-Ebert das Engagement der Anwesenden. Sie wurden aufgefordert, zu sagen, was ihnen unter den Nägeln brennt und was sie sich immer schon in ihren Wohnorten gewünscht hätten. "Macht den Mund auf, lasst raus, was euch bedrückt, nutzt die Gelegenheit, heute wird auf euch gehört", dazu haben die Vorsitzende des Kreisjugendrings, Sabine Knobloch, und der Geschäftsführer des Kreisjugendrings und Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler die jungen Gäste aufgefordert, denn schließlich waren neben den Jugendbeauftragten auch die beiden Bürgermeister Franz Uome und Werner Burger sowie ihre Stellvertreter Reiner Meisel und Volker Kirschenlohr anwesend. Die Gemeindeoberen waren gespannt auf das, was den Jugendlichen "so vorschwebt" und sie versprachen, dass die erfüllbaren Wünsche auch umgesetzt werden.

Die haupt- und ehrenamtlichen Teams von der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises Kulmbach und dem KJR hatten dazu vier Stationen vorbereitet, wo sie zu den verschiedenen Themen ihre Meinungen sagen oder ihre Forderungen vorbringen konnten. Diese wurden an Stellwänden angeheftet oder auf riesigen Papierrollen notiert.

Knobloch, Ziegler, Christian Hanf, der zweite Vorsitzende des KJR, und Stefan "Bonsai" Lehner, der Leiter des Kinder- und Jugendzentrums "Alte Spinnerei", waren von den Aussagen der "wenigen Leute" beeindruckt. "Alles was angeführt wurde hat richtig Substanz", war der Kreisjugendpfleger von den Antworten begeistert, "welche Jugendlichen machen sich sonst Gedanken über schlecht gepflegte Waldwege, oder über Schandflecken in ihren Gemeinden." Gemeint haben sie damit ein Haus in Eppenreuth und die ehemalige Pizzeria in Marktleugast. Auch Hanf und "Bonsai" haben den Anwesenden ein Kompliment ausgesprochen. "Das war eine Superreflektion, da steckt Kompetenz dahinter und zeigt, dass ihr mit Lust mitgemacht habt."

Von den genannten Antworten durfte dann jeder junge Gast nochmals vier extra kennzeichnen, um herauszufinden, welche Forderungen oder Anregungen für sie am wichtigsten sind. Mit weitem Abstand wurden das zu langsame Internet sowie die fehlenden oder schlechten Busverbindungen kritisiert. Weiter wünschten sich die Teenager einen Discobus und eine Disco, wo auch Jungs und Mädels unter 16 Jahren Einlass finden. Auch Eisdiele oder Fitnessstudio wurden oft genannt. Andere wollen sogar ein H+M und ein MC Donalds. Die letzteren Wünsche können die Bürgermeister natürlich nicht erfüllen, auch wenn Werner Burger einen Standort für MC Donalds wüsste: "Auf dem Kreisel bei Neuensorg." "Und der Kreisverkehr wäre gleichzeitig der Drive In", ergänzt sein Stellvertreter Volker Kirschenlohr. Zum Schandfleck in Eppenreuth sagte Burger, dass die Gemeinde hier keine Handhabe habe. "Das ist Privateigentum." Anders verhält es sich in Marktleugast, das Haus könnte die Gemeinde abkaufen und abreißen. "Wir müssen aber erst noch ein paar Gemeinderäte überzeugen", bedauert Uome.

Einer der wichtigsten Punkte für die Jugendlichen sind die schlechten Busverbindungen und die damit verbundenen langen Schulwege, was ihre Freizeit noch weiter einschränkt. Uome erklärte, dass die Gemeinde hier keinen Zugriff hat und es deshalb schwierig wäre, das zu ändern. Hier sei der Landkreis gefordert. "Die Gemeinde wird sich darum bemühen, dass der Fahrplan verbessert wird", verspricht Uome. Ein Schüler beklagt, dass er morgens um fünf Uhr aufstehen muss, um seinen Schulbus zu erreichen. "Nur zehn Minuten später und er ist weg", schreibt er auf seinen Zettel. Ein anderer Schüler wäre schon froh, wenn er im Winter in einen warmen Bus einsteigen könnte. "Man kommt ganz ausgefroren in die Schule." Konkret genannt wird auch der Wunsch nach einer kleinen Berufsmesse von Arbeitgebern aus der Umgebung. Dieser Wunsch wurde an Reiner Meisel, dem Wirtschaftssprecher der LQN weitergeleitet, er sei hier der richtige Ansprechpartner. Zum gewünschten Jugendkino sagt Irina Klier, dass dies von den Jugendbeauftragten schon geplant sei. Man werde die Jugendlichen zu einem Treffen einladen, wo dann besprochen werden soll, welche Filme gewünscht werden. Eventuell wird dann auch besprochen, ob es an den Filmtagen zwei Vorführungen geben kann. Eine für Jugendliche unter und eine für über 16 Jahre. Als Veranstaltungsort wäre die Frankenwaldhalle in Grafengehaig ideal. Wegen der Disco für Jugendliche unter 16 will Michael Schramm mit dem Besitzer des Inside sprechen, ob er eventuell bereit wäre, ab und zu nachmittags die Disco für diesen Personenkreis zu öffnen. Manuel Nahr verspricht, dass die besten Ideen in den Gemeinderatssitzungen besprochen und dann nach Möglichkeit auch umgesetzt werden.

Auch das Thema Vereine wurde angesprochen und verschiedene Anregungen gemacht. Am Bestehenden gäbe es nicht viel zu kritisieren, nur sollten mehr Veranstaltungen für Jugendliche sein. Konkret gewünscht wurden ein Motorsportverein und ein Mittelalterverein. Auch die Trendsportart "Jugger" sollte angeboten werden. Jugger ist ein spannender, actiongeladener Mannschaftsport, der weltweit immer mehr begeisterte Anhänger findet und bei dem es darum geht, den Spielball zu erobern und die gegnerische Mannschaft vom Ballträger fernzuhalten. Dazu finden mit Schaumstoff gepolsterte Sportgeräte, so genannte Pompfen, ihre Anwendung. Beim Jugger versuchen zwei Mannschaften aus jeweils fünf Spielern den Jugg, so wird der Spielball im Jugger bezeichnet, in der Mitte des Spielfeldes zu erobern und im Mal der gegnerischen Mannschaft zu platzieren. Vier der fünf Spieler sind mit Pompfen ausgestattet und halten damit die gegnerische Mannschaft auf Distanz. Der fünfte Spieler, der so genannte Läufer, ist die einzige Person in der eigenen Mannschaft, die den Spielball direkt aufnehmen und somit Punkte erzielen kann. Wird ein Spieler von einer Pompfe getroffen, muss er für einen bestimmten Zeitraum aussetzen und darf in der Zeit nicht in das Spielgeschehen eingreifen. Die Mannschaft, die nach Ablauf der vollen Spielzeit die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt das Spiel.

Jürgen Ziegler erklärte, dass alle Antworten nun im Büro abgetippt und ordentlich aufbereitet werden. Danach werden sie an die Jugendbeauftragten und die Vereinsvorsitzenden weitergeleitet. Michael Schramm regte weiter an, dass man sich alle Vierteljahr treffen sollte zu einer Art Jugendstammtisch, um dann gemeinsam die Projekte umzusetzen.

Bei der abschließenden Tombola konnte dann fast jeder einen Preis gewinnen.